Sonntag, 7. August 2005

Atemnot.

Gestern und heute wird es wieder schlimmer.

Nicht Hassen: Kein Problem. Nicht Lieben: Unmöglich.

Grenzenloses Vermissen, Hoffnung schleicht sich ein. Fried fällt mir ein, aber nicht genug, um ihn zu posten. Mein Schreibstil wird wieder abgehackter, wie immer in solchen Situationen. Ich kann nicht atmen, weil da dieser Kloß im Hals ist, was sag ich, nicht im Hals, im Herz. In der Seele. Und drückt und schmerzt und erinnert mich.

Erinnert mich an das, was schön war, an das, was überhaupt war. Brauche all meine Kraft, um stark zu sein, was rein logisch nicht funktionieren kann. Muß begreifen, daß es sinnlos ist, darf nicht hoffen.

Ich kann und will und werde nichts tun, werde mich abhärten gegen mich selbst, werde weinen, wenn ich muß (und ich muß bald, das Wasser steigt).
Es tut wieder wehwehwehwehweh.

Und dennoch: Loslassen steht im Vordergrund. Vermissen müssen und doch loslassen sollen. Ich weiß, die Ruhe der letzten Tage ist noch da, tiefes Potential in mir. Ich muß sie nur an die Oberfläche schleusen, an dem Riesenkloß vorbei, der mich bedrückt.

War heute bei meiner Mutter, wollte ein aufbauendes MutterTochterGespräch. Stattdessen war ihr Beziehungsproblem am Start, in Person, Unperson. Ich mag ihn nicht, ich mag sein Verhalten nicht, wie er mit ihr, mit mir umgeht, wie er redet, wie er zu allem, was er nicht weiß, seinen Senf dazugibt und jegliche Art der normalen Kommunikation unterbindet. Er tut ihr nicht gut, das sehe ich. Er tut mir nicht gut (ok, das gehört nicht zu seinen Aufgaben, mir gut zu tun, aber er ist einfach unmöglich, dominant und in Bezug auf mich gönnerhaft und pseudoväterlich, obwohl er mich nicht kennt. Ich hatte nie einen Vater, werde nie einen haben und brauche auch keinen. Vielen Dank.).

Alles in Allem Kombination diverser Unmöglichkeiten, die optimal auf einen verregneten Sonntag passen. Mannmannmann.

Ich sehne mich danach, daß mich jemand in den Arm nimmt, mich hält und wiegt und weinen läßt und sagt, daß alles gut wird. Und ich demjenigen das glauben kann, wenigstens für ein paar Minuten.

Der Miszter ist nicht mehr mein Miszter, verdammteScheißenocheins! Ich bin verdammt nochmal alleine jetzt. Und das nicht aus WirHabenUnsAuseinanderGelebt. Sondern so.

Ich vermisse ihn, den Miszter. Ich vermisse ihn. Er fehlt mir.

Und ich muß doch lernen, mir wieder selbst genug zu sein. Alleine zu sein.

Das Wasser steigt, ich kriege keine Luft mehr. Und soll bitte frei und optimistisch sein, DasWirdSchon, DaKommtWasNeues. Ich brauche jetzt aber meine Zeit unter Wasser. Trauern. Aktives. Oder auch passives. Kann man eigentlich liebevoll trauern? Ich kann jedenfalls, mit und um Liebe.

Mein Herz.

Sehr geehrtes Publikum, erleben Sie live und direkt die Phasen, welche einer Trennung folgen! Hier auf www.niefragen.de! (Wenn mir mal bitte jemand verraten könnte, wieviele Folgen diese verdammte Serie hat, wäre ich sehr dankbar. Sachdienliche Hinweise bitte in die Kommentare.)

Morgen muß ich wieder arbeiten, Kneipe aufmachen, Wäsche waschen und Uni. Na bravo. Wenigstens werde ich morgen erfahren, wie das mit Urlaub aussieht. Und mit Taizé. Jetzt fühlt es sich nämlich wieder so an, als würde es eng, als sollte ich in Vermeidung größerer Katastrophen besser bald das Weite suchen.
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Samstag, 6. August 2005

Hm, die zweite.

Der seltsame Zustand von gestern geht weiter. Ich bin jetzt viel entspannter, viel gefaßter, nur immer noch hypernervös wegen des literweisen FilterKaffeeKonsums der letzten Tage (wann kommt die richtige Kaffeemaschine wieder? Hm? Wann?). Das mit dem Essen klappt zwar noch nicht so richtig, aber das mit dem Schlafen kann ich jetzt wieder ganz gut. Immerhin sechs Stunden diese Nacht!

Wie ich den ganzen Shit mit Magisterarbeit und UniOrgaKrams hinkriegen soll, weiß ich zwar immer noch nicht, aber das wird auch noch werden. Alles zu seiner Zeit, denn alles hat seine Zeit.

Gestern abend im Bett sind mir ganz viele Beispiele für das "nie mehr" am Ende meiner Beziehung eingefallen. Das war ein bißchen hart, aber...ich mußte nicht weinen. Ich kann es auch nicht hundertprozentig akzeptieren, was wahrscheinlich der (oder zumindest ein) Grund für meine derzeitige Ruhe ist: Ein kleiner Teil in mir weigert sich standhaft, an das Ende zu glauben. Ich weigere mich aber auch, mich mit Gedanken an vielleicht zu trösten. Sollte es sich fügen, sollte es mir bestimmt sein, irgendwann, in Jahren oder Jahrzehnten, gut. Aber ich stelle mich lieber auf das Gegenteil ein. Ich will nicht warten auf etwas, sondern mich lieber überraschen lassen.

Wovon ich ausgehe und wovon ich meinen kleinen ungläubigen HerzTeil überzeugen muß:

Nie mehr seine Hände in meinem Nacken, auf meinem Gesicht. Nie mehr neben ihm einschlafen, mit meiner Hand an seinem Körper, an seiner Schulter, in der Kuhle zwischen Bauch und Oberschenkel, die ich so schön fand. Nie mehr Sätze von ihm hören, die nur er so sagen kann. Nie mehr ihn küssen. Nie mehr neben ihm aufwachen. Nie mehr diesen InsiderCode benutzen, der sich in einer Beziehung aufbaut.

Ich werde nicht sehen, wie seine Wohnung aussieht, wenn sie fertig ist. Ich werde nicht sehen, wie seine fertige Tätowierung aussieht. Ich werde nicht diejenige sein, die als erste erfährt, was er plant, denkt, vorhat, was er machen will und wird mit seinem Leben. Ich werde nicht mehr mit ihm über Arbeiten in der Kneipe reden. Ich werde nicht mehr mit ihm Pearl Jam hören. Er wird nicht mehr der erste sein, der erfährt, wie es mir heute ergangen ist. Er wird nicht erfahren, wie meine Magisterarbeit läuft. Er wird nicht dabei sein, wenn ich meinen Uniabschluß tasächlich hinkriege. Er wird nicht mit mir und meiner Mutter in den Zirkus gehen. Wir werden nicht zusammen nach Luxembourg fahren, wo ich aufgewachsen bin. Er wird nie das Haus sehen, in dem ich die ersten fünfzehn Jahre meines Lebens verbracht habe. Wir werden nie zusammen in Taizé am Welcome stehen. Er wird mich nie mehr singen hören. Er wird mich nie mehr tanzen sehen. Und ich werde nicht mehr in einer Disco stehen und besonders schön tanzen, weil ich weiß, daß er zusieht. Wir werden uns nie mehr so im Arm halten, wie wir es getan haben. Wir werden uns nie mehr die Dinge sagen, die wir uns schon gesagt haben, nie mehr von uns und unsrer Liebe sprechen.

Es ist hart. Aber es ist ok.
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Freitag, 5. August 2005

Hm.

Mannmannmann...

Es geht irgendwie immer weiter. Mir geht es besser als die letzten Tage, irgendwie klarer, losgelöster.

Ich frage mich nur, was das genau ist. Ich hätte mehrere Optionen in petto: Verdrängung, kurze Pause, Ruhe vor dem Sturm. Irgendwie gehts mir merkwürdig. Ich hab gestern das erste Mal seit Freitag mehr als drei Stunden geschlafen, konnte was essen (wenn auch nicht viel, aber immerhin) und hatte innere Ruhe.

Stattdessen befürchte ich zur Zeit Probleme von einer anderen Seite: Ich weiß nicht, ob meine Hilfsbereitschaft einer Person gegenüber nicht vorschnell war, will nicht in Beschlag genommen werden, weil ich selber dafür gar keinen Nerv habe zur Zeit. Und weil ich befürchte, daß ich da in irgendwas hineingezogen werden soll, was ich nicht will. Mal sehen, ich werde das auf jeden Fall klären und sagen, daß ich gerne mein Angebot aufrecht erhalte, aber nicht mehr. Keine große Sache, das, eigentlich. Aber schon komisches Gefühl, wenn man eigentlich nur hilfsbereit sein wollte und sich gut versteht, aber dann auf einmal merkt, daß sich das Gegenüber auf mich fokussieren will, weil sonst niemand da zu sein scheint und die Gemeinsamkeiten, die man hat, hochgebauscht werden, weil mein eigener Zustand grad dazu verleitet, mich einnehmen zu lassen (für all die Fragenden: Nein, es war kein Kerl, der mich angraben wollte!).

Der Kommentar von gestern wundert mich. Nein, wundern ist das falsche Wort. Eher sowas wie verwirren, nur weniger stark. Warum hier, an dieser Stelle, warum kein Wort zu mir persönlich? Warum nicht früher? Warum nicht anders? Warum zu diesem Eintrag? None, hast Du den davor gelesen? Denn der war es eigentlich, den ich meinte.

Heute abend (also gleich) die letzten Sachen packen und zum vereinbarten Ort schleppen. Dann fehlen nur noch die großen Sachen wie Rechner, Schlagzeug, CDs etc., und Du bist weg, endgültig weg aus meiner Wohnung. Die irgendwann nicht mehr nach uns, sondern nur noch nach mir riecht. Das ist etwas, was mich im Moment (unter anderem) von zuhause flüchten läßt: Dein Geruch in meiner Wohnung, die Erinnerungen an das, was da passiert ist die letzten Monate, Gutes wie Schlechtes, Tage wie Nächte...Im Moment ist es nicht nur meine Wohnung, sondern unsre, wenn Du auch nie offiziell bei mir gewohnt hast. Ich werde sie wieder zurückerobern, und daß sie nicht mehr nach Dir riecht, ist ein wichtiger Schritt in diese Richtung.

(Dieser Eintrag entwickelt sich wie immer ganz anders als geplant, und ich glaube, auch das ist gut so. Und wichtig.)

Ich halte mich wacker, finde ich. Versuche, loszulassen, wo ich nur kann, versuche (und schaffe es auch ganz gut bis jetzt), mich und Dich gehen zu lassen. Ich will Dir nichts Böses, es ist so gelaufen, wie es gelaufen ist, und ich weiß, ich werde noch lange brauchen, um das alles zu verarbeiten. Manche werden mir einen eklatanten Mangel an Wut attestieren, aber ich will nicht wütend sein. Das ist nicht meine Art. Ich bin ein emotionaler Mensch, ja, aber nur bei bestimmten Emotionen. Und ich nehme immer alle Perspektiven ein, die mir in meiner Position möglich sind, versuche, zu verstehen, zu analysieren, zu abstrahieren, zu begreifen. Zorn würde mich nur kaputt machen, ich habe meine Konsequenzen gezogen und werde auch dabei bleiben und fertig. Dich zu hassen, bringt nichts. Dich zu lieben aber auch nicht. Das Einzige, was ich tun kann und werde, ist, Dich loszulassen, frei zu lassen, Dich Dir selbst zu überantworten. Um mich wiederzufinden, muß ich Dich aus meinem Herzen lassen, und das tue ich. Ich wünsche Dir alles Gute und Menschen, Situationen, Zufälle, Begegnungen, die Dir helfen können. Ich konnte es nicht, augenscheinlich, auch wenn ich es lange Zeit geglaubt und gehofft habe. Ich wünsche Dir, was Du brauchst, um begreifen und verarbeiten zu können; das, was Du brauchst, damit alles gut wird für Dich. Ich wünsche Dir, daß Du den Sinn findest, der Dir fehlt. Du denkst, Du kannst ihn nie finden, ich weiß. Ich wünsche es Dir trotzdem.

Die letzten Enträge habe ich für uns geschrieben irgendwo, aber jetzt schreibe ich wieder für mich. Und natürlich für den gelegentlichen Leser, der sich auf diese Seiten verirrt. Das Leben geht weiter, das Leben, das ich liebe, das mich verzweifeln läßt ab und zu und hoffen. Hoffen darauf, daß alles gut wird, richtig gut. Daß sich alles fügt für mich, daß alles seine Berechtigung und seinen Sinn hat. "A chacun ses choix, à chacun ses pleurs, à chacun ses rires, à chacun ses douleurs..."

Und ich bin wie immer bereit, alles mitzunehmen, alles Gute und alles Schlechte, und was draus zu machen, was aus mir zu machen und aus der Zeit, die mir hier auf diesem wahnwitzig unwahrscheinlichen Planeten beschieden ist. Wie immer mit allem, was ich habe und allem, was ich bin.

Das ist nicht das allereinfachste auf der Welt, aber machbar. Und ich habe vor, meinen Job richtig gut zu machen und mich und die Welt und das Leben an mich ranzulassen.

Smiri ist stärker, als ich denke. ICH bin stärker, als ich denke. Und es gibt Menschen, die das bereits wissen und schätzen, und es gibt solche, die das noch begreifen müssen, unter anderem ich selbst.

Also, liebes Leben, bring mir bei, wer ich bin. Ich bin ganz Ohr. Und Auge. Und alles andere auch.

Nie fragen!

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